Eva Hesse (GFS)

Gliederung

  • Leben
  • Kunst + Werke
  • ‚Accession’ → Fünf-Sinne-Check
  • Anregung zur VHS
  • Quellen

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Leben

Eva Hesse war eine US-amerikanische Künstlerin deutscher Herkunft. Sie gilt als Vertreterin der Prozesskunst und der Arte Povera. Ihre Lebensgeschichte, ihr außerordentlicher Erfolg in der kurzen Zeit ihres Wirkens und ihr früher Tod ließen sie zum Mythos werden.

Sie wurde am 11.01.1936, als Tochter eines jüdischen Rechtsanwaltes, in Hamburg geboren. 1938, Im Alter von zwei Jahren wurden Eva und ihre Schwester Helen aufgrund der Judenverfolgung von ihren Eltern nach Holland geschickt, wo sie bei Freunden unterkamen. 1939 gelangte dann die gesamte Familie in die USA.

Kurz vor Eva’s 10tem Geburtstag begann ihre manisch-depressive Mutter Selbstmord. In den 50er Jahren studierte Eva Malerei an der Cooper Union School und an der Yale School of Art and Architecture. 1961 heiratete Eva Hesse den Bildhauer Tom Doyle. 1964/1965 verbrachte sie zusammen mit ihrem Ehemann ein Jahr in Kettwig an der Ruhr. Es entstanden erste dreidimensionale Arbeiten. Nach der Rückkehr nach New York wandte sie sich der Skulptur zu. Eva Hesse starb am 29. Mai 1970 im Alter von nur 34 Jahren in New York an einem Hirntumor.

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Ein Zitat von Hesse lautet:

„Mich kann man leicht glücklich und leicht traurig machen, weil ich schon so vieles durchgestanden habe“

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Kunst + Werke

 

Eva Hesse gilt als Wegbereiterin der Rauminstallation, Objektkunst und steht für die Verwendung ungewöhnlicher Materialien in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie entwickelte in ihren Installationen und Skulpturen eine sehr charakterische, prozessorientierte, post-minimalische Ästhetik.

Eva Hesse wollte „Nicht-Kunst, die nicht anthropomorph (menschenähnlich), nicht geometrisch, nicht gar nichts, aber anders ist“, produzieren.

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre experimentierte sie mit neuen Materialien, die in der Objektkunst bis dahin noch keine Verwendung gefunden hatten wie Polyester, Glasfaser und Latex → Arte Povera

Ihre Skulpturen, die sich heute in den großen Museen dieser Welt befinden, verbinden auf einzigartige Weise komplexe und zum Teil konträre Aspekte: hart und weich, fragil und präsent, abstrakt und assoziationsreich. Diese spielerischen Einsätze von gegensätzlichen Strukturen wie Ordnung und Chaos, Kontrolle und Dynamik, Präzision und Zufall spielen in ihren Zeichnungen eine ebenso große Rolle wie in ihren Skulpturen.

Beispiel zu abstrakt und assoziationsreich:

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→ Dieses Bild kann jeder anders deuten. Wir verbinden dieses Bild von Eva Hesse mit einer Hochzeit, aber auch mit Leben und Tod. Die Figuren sehen festlich gekleidet aus. Die linke Figur kann einen Bräutigam im schwarzen Anzug darstellen und die rechte, die Braut in einem weißen Kleid mit einem Blumenstrauß. Auf der anderen Seite kann die linke, dunkel gekleidete Figur den Tod darstellen. Ein weiterer Aspekt ist das Gesicht, das an ein Skelett erinnert. Die rechte Figur kann das Gegenteil darstellen – das Leben. Sie ist hell gekleidet und bildet einen Kontrast mit der rechts abgebildeten Figur.

Somit zeigt dieses Bild zwei Extreme des Lebens auf. Die Hochzeit als Ereignis des Glückes und der Tod als das Ende. Durch diese Gegenüberstellung zeigt es zwei wichtige Facetten des Lebens. Auch lässt sich deuten, dass der Tod im Leben der tragende Gedanke ist, weil er hier links dargestellt ist. Auch lässt sich assoziieren, dass man förmlich den Tod heiratet, weil die Vergänglichkeit vorbestimmt ist.

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Das Transparente, und das Vergängliche der ungewöhnlichen Materialien (Latex, Glasfaser, Polyesterharz) machen zu großen Teilen die solitäre Stellung Eva Hesses in der Kunst der 1960/70er Jahre aus. Diese Skulpturen und Zeichnungen waren unter anderem die Themen in der Hamburger Ausstellung „Eva Hesse. One More than One“. Die Ausstellung korrespondierte mit der Ausstellung „Gego. Line as object.“

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Die Ausstellung Eva Hesse. One More than One präsentiert rund 50 Skulpturen und Zeichnungen, darunter Schlüsselwerke wie die fünfteilige Arbeit Sans II (1968):

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Fiberglass und Polyesterharz

Repetition Nineteen (1968):

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Glasfaser, Polyesterharz / Fiberglas

Accession (1968):

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‚Diese außen schimmernde Kiste hat ein nach innen gekehrtes Fell, von allen vier Wänden und vom Boden ragen kurze Plastikschläuche wie Stacheln in den Innenraum. Die Betrachter schauen hinein, möchten ein Geheimnis entdecken. Sie erhalten von der Künstlerin die Information: „Die Konstruktion hat 50.670 Löcher, die mit Kunststoffzapfen gefüllt sind. Jeder einzelne Zapfen hat in der Gesamtstruktur seine Notwendigkeit.“’

Unser Fünf-Sinne-Check:

Was sehen wir? – Wir sehen unzählbare, durchsichtige Röhrchen, die von allen Seiten herausragen. Einerseits wirken sie bedrohlich, obwohl sie sich nicht bewegen. Anderseits bilden sie auch eine ‘weiche’ Oberfläche.

Was könnten wir hören? – Im weitesten Sinne hören wir eine Stille. Ab und zu hören wir ein Windstoß, der sich durch die Röhrchen bewegt. Es ist vielleicht nicht nur ein Windstoß, sondern das Meer. Genau so, wie wenn man eine Muschel an sein Ohr hält. Es rauscht. Abwechselnd ist ein Geräusch zu hören, aber anschließend wieder Stille.

Was könnten wir schmecken? – Diese Kunststoffröhren schmecken nach Gummi. Sie sind kaubar, aber nicht verzehrbar. Diese Röhrchen erinnern uns an einem Kaugummi, dass endlos gekaut werden kann, aber dessen Geschmack irgendwann unausstehlich wird. Anfangs ist ein neuer, interessanter, vielleicht aber auch ein nicht so leckerer Geschmack vorhanden. Er zeichnet dieses Kunstwerk aus.

Was könnten wir riechen? – Wir riechen den Kunststoff der Röhrchen. Er erinnert uns an das Material einiger Gummistiefel.

Was könnten wir fühlen? – Wir fühlen unzählbare Röhrchen. Wir können sie verbiegen, aber sie geben Widerstand. Sie verformen sich in ihre Ausgangsposition zurück. Dieses Kunstwerk hat auch etwas Bedrohliches. Die Röhrchen erinnern uns an Pistolen, wie in einem Film, die auf eine schuldige Person zeigen. Durch die grade Anordnung der Röhrchen erinnert uns dieses Werk auch an ein Besen: Viele kleine Borsten sind symmetrisch und im gleichen Abstand aneinander angeordnet. Wenn ich in einem solchen Besen hineinfasse, fühlen wir ein borstiges Material, das auf der Haut ‘kratzt’ und vielleicht auch Spuren hinterlässt. So könnten die Röhrchen von Eva Hesse auch kratzig sein…

Wie fühlen Sie sich bei Eva Hesses Kunstwerk mit der Information, dass dieser Raum mit vielen Kunststoffröhren ausgestattet ist? Machen Sie mal diesen Fünf-Sinne-Check und schreiben Sie ihr Ergebnis als Kommentar unter diesen Beitrag.

„Ich glaube, ich werde mich im Vergleich zu den meisten Leuten immer ein bisschen anders fühlen und dies auch sein wollen. Darum nennt man uns Künstler“, schrieb Eva Hesse an ihren Vater, um ihr Kunststudium zu begründen.

Deutungsansatz zum Werk:
Da Eva Hesse eine schlimme Vergangenheit hatte, kann man dieses ‚bedrohliche’ Werk auf ihre Kindheit zurück führen. Es könnte angehen, dass sie ihre damaligen Gefühle im Werk ausdrückt.

Anregung und Idee zur VHS

Gegensätzliche Materialien zu einem Kunstwerk verarbeiten. Es kann etwas ganz Banales unter dem Motto: ‚Ein Geheimnis entdecken’ sein, das die Leute zum nachdenken bringen soll und ihrer Kreativität freien Lauf lässt. Man kann ein Kunstwerk ausstellen und daneben einen anonymen ‚Fragebogen’ auslegen, der die Besucher zu einem Fünf-Sinne-Check anregt bzw. ihre Assoziationen aufschreiben lässt. Diese Zettel können dann an eine Wand befestigt werden, die die verschiedenen Meinungen zum Erscheinen bringen und vielleicht eine Diskussion unter den Besuchern anregt. So werden die Besucher in der Betrachtung eines nicht eindeutlichen Kunstwerkes, das aus einfachen Materialien besteht, aktiv und aufmerksam und der Künstler lernt vielleicht neue Deutungen des Kunstwerkes kennen.

Beispiel:

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No title, 1965 Lack, Seil, Kunststoff, Eva Hesse

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Unsere Idee

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Stock, Styropor, Draht  → Verbindung gegensätzlicher Materialien

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Quellen:

Wörter: 1159

GFS      EKUN               12.03.2014      LEß                              Maiken Paulsen, Kira Hansen

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